Vaterleid...Wenn Väter nach der Geburt mit den Veränderungen kämpfen

Vaterleid...Wenn die Freude ausbleibt

Ist es auch Aufgabe einer Stillberaterin, auf mögliche Schwierigkeiten hinzuweisen,

die für Väter nach der Geburt entstehen können?

 

Ich habe mich diese Frage schon mehrmals in folgender Situation gestellt:

Mutter und Kind sind ganz in meinem Fokus: Ich beobachte das Stillen, die Anlegetechnik,

den Ausdruck des Säuglings, die Körpersprache von Mutter und Kind.

Ich höre zu, empfehle, stärke das Selbstvertrauen der Mutter bis......ja, bis ich mich verabschiede und mich der unsichere und verängstigte Blick des Vaters trifft......

 

Eine traurige Verstimmung,  die sich bis zur PPD (postpartale Depression) auswachsen kann,

wird früher bei Müttern als bei Vätern beobachtet, weil Hebammen, Ärzte, Pflegepersonal

oder auch die Stillberatung darauf geschult sind, mögliche Stimmungstiefs der Mutter im Auge zu behalten und Informationen darüber zu geben, ab wann Hilfe notwendig ist.

 

Väter leiden oft im Verborgenen. Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Schuldgefühle können

die Symptome sein.

Väter tauschen sich leider zuwenig untereinander aus um zu wissen, dass ca. 8% der Väter nach der Geburt an einer Depression erkranken.

 

Faktoren, die diese Krankheit (paternale PPD) begünstigen, sind

- die Qualität der Paarbeziehung,

- eine PPD der Partnerin,

- Gefahr für Mutter und/oder Kind während der Geburt und

- vorrausgegangene Fehlgeburten.

 

Es ist eine bewegte Zeit, in der Männer die Vaterrolle erst für sich definieren müssen.

Das braucht Zeit und Verständnis.

Väter und generell Männer artikulieren ihre Emotionen oft anders bis spärlich.

Das macht es nicht leichter, die richtige Hilfe im richtigen Moment zu empfehlen.

Die Kommunikation der Partner leidet oft unter den neuen Anforderungen, die durch die Geburt eines Kindes entstehen. Reden wird aus Zeitgründen immer schwieriger und seltener.

Die Eltern entfernen sich voneinander.

Auch das Kind leidet mit und baldige Hilfe ist notwendig, um die Vater- Kind - Bindung nicht zu gefährden und um die emotionale Entwicklung des Kindes zu sichern.

 

Fakt ist:

Je schneller Hilfe angenommen wird, desto schneller wird sich eine Besserung einstellen und desto kürzer ist die Therapiedauer.

 

In der Therapie erfahren Väter auch die notwendigen "Tools", die Erfahrungen und Gefühle

dem Partner sagen zu können. Das ist eine Meilenstein in der Paarbeziehung.

Und oft einen neue Chance, sich von alten Mustern zu verabschieden.

 

 

 

                                                                           Je stiller ein Mensch ist,

                                                                                     desto lauter

                                                                                     ist es in ihm.

 

 

 

©Anezeder Martina, IBCLC

 


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